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Wie reagiere ich auf Kritik aus meinem Umfeld?

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt immer weiter an. Zwar wird mehr als die Hälfte aller Pflegebedürftigen von ihren Ehe- oder Lebenspartnern versorgt. Doch je älter die Pflegebedürftigen werden, desto häufiger übernehmen in erster Linie Töchter und Schwiegertöchter die Versorgung.
Oft neben Beruf, Haushalt und Kindererziehung. 

Häufig entsteht ein Konflikt. Auf der einen Seite ist der Wunsch, für andere da zu sein. Auf der anderen Seite der, nicht das eigene Leben aufzugeben. Zudem werden oft die eigenen Kräfte überschätzt. Auch weil sich die Pflege der Angehörigen häufig über viele Jahre erstreckt. Ein Drittel aller Pflegenden erleidet durch die Betreuung selbst gesundheitliche Schäden. 

Die ambulante und stationäre Pflege entlastet Betroffene wie Angehörige. Vor allem, wenn die Pflege rund um die Uhr nötig ist. Sich auch nachts um einen Betroffenen zu kümmern, ist eine große gesundheitliche Belastung.

Viele Familien scheuen sich jedoch, Unterstützung anzunehmen. Denn die gesellschaftlichen Erwartungen an die pflegenden Angehörigen sind oft sehr hoch.

Hier hilft meist nur eins: Ignorieren Sie das kritische Umfeld! Tatsache ist, dass sich heute fast jede Familie mit dem Thema »Pflegebedürftigkeit« auseinandersetzen muss. Kritiker sind meist nur selbst (noch) nicht in die Situation gekommen, die Verantwortung für einen pflegebedürftigen Angehörigen zu übernehmen.

Hoher Druck lastet auf den Pflegenden

Hilfsbedürftigkeit im Alter ist immer noch ein Tabuthema. Es schürt Ängste, die die meisten Menschen lieber verdrängen. Nachbarn oder Bekannte scheuen sich, mit dem Pflegenden Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, wie es geht. Informationen werden hinter dem Rücken der Betroffenen ausgetauscht. Und Pflegende vereinsamen.

Auch der Druck der Umgebung ist groß. Entlastungen durch die ambulante oder stationäre Pflege werden von Außenstehenden kritisch beäugt. Darüber hinaus kann es auch innerhalb der Familie zu Vorwürfen kommen. Der Pflegende muss sich rechtfertigen. Er ist verunsichert. Fragen kommen auf: »Mache ich etwas falsch? Müsste ich noch mehr tun? Darf ich meine Mutter oder meinen Vater von anderen Menschen betreuen lassen?«

Konflikte und Vereinsamung als Folge

Für pflegende Angehörige ist es nicht leicht, mit Vorwürfen umzugehen. Auch wenn es inzwischen Unterstützung bei der Pflege gibt, bleiben die meisten Frauen mit der psychischen Belastung allein. Das wirkt sich auf die Beziehung zur eigenen Familie und zu dem Pflegebedürftigen aus.

Die Situation verschärft sich, wenn die Eltern geistig abbauen, was für Außenstehende erst oft nicht erkennbar ist. Es kann zu Beschuldigungen kommen, man würde sie vernachlässigen. Wenn diese Vorwürfe anderen gegenüber geäußert werden, müssen sich Angehörige ständig rechtfertigen. Und das belastet auf Dauer. 

Aufklärung oder Distanzierung?

Ausführliche Gespräche helfen, um Missverständnisse aufzuklären. Doch sie sind für die Angehörigen wiederum eine Belastung. Es ist unangenehm, Außenstehenden erklären zu müssen, dass die eigene Mutter oder der Vater verwirrt ist.

Deshalb sollten Sie sich überlegen, ob Sie sich überhaupt rechtfertigen müssen. Ein Austausch mit anderen kann Ihnen jedoch auch helfen.